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schwieriges Material: AluDibond
#1
Hallo,

nach mehreren Ansätzen gelingt es mir inzwischen, eine halbwegs ansatzweise brauchbare Gravur in AluDibond zu erzeugen. Ich mache das in 2 Durchgängen. Der erste Durchgang geht 0,3mm tief in 2 Zustellungen á 0,15mm mit wenig Vorschub und hoher Umdrehung, um die Alu-Schicht freizubekommen. Anschliessend mit geringer Umdrehung und schnellem Vorschub tauche ich nochmal 0,2mm in einer Zustellung in die mittlere Plastik-Schicht ein. Das mit der Plastik klappt so einigermaßen. Was ich aber nach wie vor nur sehr unschön hinbekomme ist die Alu-Schicht. Ich muss tatsächlich die gesamte Gravur dann per Hand manuell nachbearbeiten, da sich an der Alu-Schnittkanten ein deutlich sichtbarer Grat gebildet hat. Ich arbeite mit Graviersticheln in unterschiedlicher Stärke und Winkel. Ich hatte hier zunächst China-Ware gekauft, aber das dann bereits nach dem ersten Versuch aufgegeben und Gravierstichel aus Deutscher Herstellung zu nehmen, von denen ein einziger so teuer ist, wie 20 Stück aus China... Das Ergebnis ist zwar sichtbar besser, aber keineswegs zufriedenstellend. Das manuelle Nachbearbeiten dauert pro Schild mindestens 1 Stunde, und wehe, man rutscht mal ab, dann sieht man diesen Kratzer sofort auf der Oberfläche. Das ist nicht die wirkliche Lösung.

Nun möchte ich gern versuchen, als finale Bearbeitung die Gravuren/Alu-Schicht mit einem Gravierfräser mit 120 Grad-Winkel, geringer Eintauchtiefe, hoher Umdrehung und geringem Vorschub nochmal abzufahren, um den Gravierfräser mit seinen 120 Grad sozusagen als Entgrater zu nutzen. Ein 90 Grad Winkel scheint mir noch zu spitz, da ich dann vermutlich mit der Spitze des Fräsers ja in die Plastik eintauche, und bei hoher Umdrehung würde die dann schmelzen usw. Deswegen 120 Grad, verbunden mit der Hoffnung, dass dessen Spitze (die ja einen stumpfen Winkel bildet) nicht die Plastik berührt, sondern die Schneide nur in die Alu-Schicht taucht. Ich dachte da z.B. an diese (mit 120 Grad, oder sogar 140 Grad):
https://www.sorotec.de/shop/Zerspanungsw...erfraeser/
https://www.sorotec.de/shop/Zerspanungsw...HM-Senker/

Kann mir von Euch ggf. jemand Hinweise geben, ob das funktionieren könnte, oder andere Hinweise...? Oder ist die 0,3mm Alu-Schicht vom AluDibond einfach zu weich und zu dünn, um da eine saubere Kante hinzubekommen? Ich habe schon viele, viele Stunden experimentiert, und viele teure Fräser und Stichel dafür gekauft,  aber ein wirklich schönes Gravurbild habe ich noch nicht erzielt...

Andi
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#2
Moin,

vorweg: ich habe noch nie Alu-Dibond bearbeitet. Aber schon sehr viel (ziemlich) weiches Alu.

Meine grundsätzliche Vorgehensweise bei solchen Materialien:
- niedrige Drehzahl zu Beginn, so etwa 10.000;
- wenig bis sehr wenig Vorschub
- vor allem aber: ganz geringe Zustellung, 0,15mm ist für meine Begriffe zu viel, würde mit 0,1 beginnen

Wenn das "in etwa" hinhaut, kann man anfangen, mit den Parametern zu spielen: erst höhere Umdrehungen, dann mehr Vorschub und zuletzt auch in fast "homöopathischen" Dosen grössere Zusteleung. Wenns irgendwann paßt, Werte lassen, auch wenn es gefühlt ewig dauert. Wir sind doch Hobby-Fräser und keine Renn-Fräser - und haben Zeit ...

Ich weiß, matschiges Alu ist genau so besch..... zu fräsen wie Kupfer. Meine Erfahrung.

Gruß Michael
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#3
Danke für die Antwort. Gleich vornweg: die Zeitfrage über die Dauer eines Fräsvorganges steht bei mir nicht, bzw. nur an letzter, unwesentlicher Stelle. Was Deine Parameter angeht, so ist das für mich sehr interessant. Mit meinen Einstellungen für Alu habe ich mich an den Fräs-Wiki-Empfehlungen orientiert. Für Alu schreiben die zB 20.000 Umdrehungen. Mit 10.000 bist Du da deutlich drunter. Das werde ich morgen mal versuchen. Als „Bauchgefühl“ neige ich zu hoher Umdrehungszahl, um eine glattere Kante zu bekommen. Aber das ist gewiss ein laienhaftes Denken von mir. 

Welches Werkzeug würdest Du mit Deinen Fräs-Daten wählen, bzw. den Gravierstichel mehr mit großem Winkel (36 Grad) oder kleinem Winkel (15 oder 20 Grad)? Womit hast Du bei Deinem weichen Aluminium zB gearbeitet?

Andi
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#4
Moin,

Dibond läßt sich eigentlich gut bearbeiten. Ich fräs meine 3mm Dibond immer mit voller Tiefe und Drehzah (3,5mm und 29000) bei 20mm/s Vorschub mit 3mm Fräser.

Graviert hab ich auch schon, allerdings mit einem 1mm Fräser auf voller Tiefe (0,5mm und 29000) mit 10mm/s. Stichel hab ich nicht probiert und würd ich beim Aludurchfräsen auch nicht einsetzen.
sswjs, aka Jens

High-Z 1000, FME1050, FME1050-1, Stepcraft 600 V1, FME1050-1, Solidworks, HSMXpress, ESTLCam, NC-Corrector, WINPC-NC 2.5
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#5
Bei diesen Drehzahlen hatte ich das Ergebnis, dass die mittlere Plastikschicht geschmolzen ist und darin die Aluspäne hängen blieben. Das hat sich dann abgekühlt und sah entsprechend „verwildert“ aus. Von „schön“ konnte man da nicht reden. Das hatte ich mehrfach probiert, auch mit Fräser (statt Gravierstichel). So hohe Umdrehungszahlen kann ich bei Plastik nicht nachvollziehen. Und mir geht es ja um‘s Gravieren, nicht um‘s durchfräsen. Ich sehe, hier gehen die Parameter sehr weit auseinander. Ich hatte u.a. bei einer Profi-Fräsfirma angerufen, weil ich einfach nicht vorangekommen bin. Selbst dort sagte bzw. bestätigte man mir, dass AluDibond keine einfache Aufgabe ist. Genaue Werte konnte oder wollte man mir aber natürlich auch nicht nennen. Und in der Internet-Suche kommt man auch sehr schnell an diesen Punkt, wo die Empfehlungen deutlich auseinander gehen...
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#6
Moin,

um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: generell arbeite ich auch mit Drehzahlen, die eher im oberen Bereich der "empfohlenen" Werte liegen. Niedrige Drehzahlen nehme ich hauptsächlich dann, wenn durch die Reibungshitze bei hohen Drehzahlen die Gefahr besteht, daß das Material zu schmelzen beginnt.
Das ist z.Bsp. bei Plastik (bei mir hauptsächlich Polystyrol/PS) der Fall, da nutzt es auch nur in den seltensten Fällen, den Vorschub zu erhöhen.

Zum Gravieren nehme ich eigentlich nie einen Stichel, immer einen Fräser. Da ich Modellbauer bin (H0 und 0), kommen zum "gravieren" nur Fräser bis max. 1mm Durchmesser zum Einsatz. Die Ergebnisse sind mit meinen moderaten Parametern sehr ansehnlich. Wenn mir mein Garten Zeit lässt, stöbere ich mal in meinen alten Fotos - ich müsste da was zum Zeigen haben ...

Wenn ich "gutes" Alu (AlCuMgPB, AlMg4,5Mn) in grösseren Stärken bearbeite, so bis 25mm Stärke, nehme ich natürlich 3 und 4mm grosse ALU-Fräser. Kaufe nur bei Sorotec (Eigenmarke=gut; DATRON + FIRSTATEC=sehr gut). Aber es gibt auch andere Lieferanten mit sehr guter Qualtät. China-Fräser nehme ich nur für sog. Probefräsungen in Resten.

Gruß Michael
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#7
Moin,

ein Aufschmelzen des Fräsgutes ist immer ein Zeichen, daß der Vorschub zu gering ist.

Diesen Vortrag halte ich ab und zu mal meinen Kunden, daß der Fräser durch die Schnittbewegung Wärme in das Material einbringt. Ist der Vorschub geringer als die Wärmeleitfähigkeit des Materials, heizt sich das auf, da der Span die Wärme nicht mehr vollständig entfernen kann.

Denn, nur der Span kann die Wärme aus der Fräsung abtransportieren.

Dibond ist ein Kompositmaterial und das Alu ist der entscheidende Faktor in der Wärmeleitung. Also muss der Vorschub sich nach der Wärmeleitfähigkeit das Alu's richten. Das heißt dann immer Vorschub hoch, Zustellung runter.

Oder anders ausgedrückt, das Spanvolumen ist das, was zählt. Aber da sind wir dann in den Materialwissenschaften.

Aber, ob das ein Hobbyfräser noch wissen will?
sswjs, aka Jens

High-Z 1000, FME1050, FME1050-1, Stepcraft 600 V1, FME1050-1, Solidworks, HSMXpress, ESTLCam, NC-Corrector, WINPC-NC 2.5
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#8
Also, mich würde sowas als "Hobbyfräser" durchaus interessieren. Als ich damals mit dieser ganzen Fräs-Geschichte anfing, habe ich nur Bahnhof verstanden und wusste nicht, was da überhaupt nötig ist usw. usf. Alles, was ich in diesem Zusammenhang gelernt habe, habe ich "schluckweise" übers Internet und aus Foren erfahren. Ich bin dankbar dafür und muss sagen, so macht Internet richtig Spaß! 
Mit dem AluDibond das beschäftigt mich schon ein paar Wochen. @sswjs: Du bist nicht zufällig in Berlin ansässig? Du schreibst von Deinen "Kunden", machst Du sowas beruflich? Ich hätte echt gern mal eine Person, die mir ein paar Stunden Lehrgang gibt für meine vielen kleinen Detailfragen...

;-)

Andi
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#9
„...mit Fräser gefräst...“
Was für einen hast Du dafür genommen? 1-Schneider? 2-Schneider? Fischschwanz? Abgerundet?
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#10
Moin,

(30.07.2020, 12:01)And#5#Kuck schrieb: Also, mich würde sowas als "Hobbyfräser" durchaus interessieren.
Ok, einer der Wenigen...  Wink


(30.07.2020, 12:01)And#5#Kuck schrieb: Mit dem AluDibond ...
Also, Dibond ist als Stabilisationsplatte notwendig für meine Vakuumtische. Ich fräs das also regelmäßig.


(30.07.2020, 12:01)And#5#Kuck schrieb: @sswjs: Du bist nicht zufällig in Berlin ansässig?
Na ja, wenn du Leipzig dazu zählst, dann ja.


(30.07.2020, 12:01)And#5#Kuck schrieb: Du schreibst von Deinen "Kunden", machst Du sowas beruflich? Ich hätte echt gern mal eine Person, die mir ein paar Stunden Lehrgang gibt für meine vielen kleinen Detailfragen...
Jep, ich mach eigentlich Werbung. Da fräs ich regelmäßig Schaum-PVC, Polycarbonat, Acryl und Polyoxymethylen. Holz und MDF ist auch ab und zu mal dazwischen und aktuell Schaumstoff:




Oder Schaum-PVC-Blöcke, Frästiefe hier 60mm:

[Bild: DRlhFum.jpg]

Oder eben mal Polycarbonat:

[Bild: koE5RE3.jpg]



Und zu den Fräsern:
Alles bis 3,175mm: Zweischneider Fisch von Sorotec oder die Speziellen von meinem Werkzeugschleifer (D3mm 2Z S10mm L70mm, D3mm 2Z S20mm L50mm mit Hinterschliff für Holz bis 30mm).
6mm: Sorotec Zweischneider Alu oder Speziell wieder Werkzeugschleifer
Schaumstoff: 6mm 3-Schneider Datron über Sorotec gekauft.

Alles andere: China
sswjs, aka Jens

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